Sprengel Hanau - Bischof Hein: „Mehr Theologie wagen“

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Bischof Hein: „Mehr Theologie wagen“
Landessynode nimmt ihre Beratungen auf
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Medio.tv/schauderna

Hofgeismar. Mit einem Gottesdienst des stellvertretenden Präses, Pfarrer Dr. Volker Mantey, in der Brunnenkirche ist die Herbsttagung der Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck am heutigen Montagvormittag eröffnet worden.

Im Mittelpunkt der Beratungen, die bis einschließlich Mittwoch, den 28. November, dauern werden, stehen der Bericht des Bischofs, der sich in diesem Jahr unter dem Titel „Theologische Orientierung“ mit der Beziehung zwischen universitärer Theologie und Kirche auseinandersetzt, der Bericht von Vizepräsident Dr. Knöppel zur aktuellen Finanzsituation der Landeskirche, die Verabschiedung des Nachtragshaushaltes sowie weitere Kirchengesetze.

Mantey: Was bleibt, wenn wir weniger werden
„Wir werden nicht gerne weniger, in einer Gemeinschaft wie der Kirche, die von Anfang an darauf ausgerichtet ist, zahlreicher zu werden.“ Dies stellte Dr. Mantey in seiner Predigt über Jesaja 4 zum Auftakt der Synode fest. Nun gehe es darum, mit welcher Haltung die Synodalen der kleiner werdenden Volkskirche begegneten, und wie sie diesen Weg selbst aktiv gestalteten. Ein Blick auf Jesaja zeige, dass auch eine Verheißung damit verbunden sei, wenn „das Äußerliche, die Fassaden, die ganzen Zutaten“ schwänden und „das Aufhübschen ein Ende habe“. Gerade in gesellschaftlichen „Zeiten der Selbstbespiegelung, der Selbstoptimierung, der permanenten Zur-Schau-Stellung“ sei es wichtig, zwischen Darstellung und Kern zu unterscheiden und dabei darauf zu vertrauen, dass bei allen Verlusten doch Gott bleibe. Und Gott brauche nicht viel, um seine Verheißung zu vollenden. Und er lasse laut Jesaja sprießen, wachsen und gedeihen. Daraus folgerte Mantey: „Übrig zu bleiben lohnt sich. Um Gott zu erfahren.“ Er ermutigte die Synodalen, sich in diese Wahrheit Gottes hineinfallen zu lassen. Und er wünschte ihnen für die anstehende Synodaltagung: „Gott erneuere dazu unseren Sinn. Amen.“

Dittmann: Schlichten Parolen ein klares „Nein!“ entgegensetzen
In seiner Eröffnung der Synodaltagung erinnerte Präses Dr. Thomas Dittmann an die Gedenktage zum Ende des 1. Weltkriegs vor 100 Jahren und zur Reichspogromnacht vor 80 Jahren. Er zeigte sich erschrocken darüber, dass auch heute die Demokratie nicht so gefestigt sei, wie man es sich wünschen würde. Menschen seien heute in der Sorge um ihr eigenes Wohlergehen wieder bereit, schlichten Parolen zu folgen. Wieder sei es nötig, jüdischen Einrichtungen in Deutschland besonderen Polizeischutz zu bieten. Dittmann forderte unter großer Zustimmung der Synode: „Diesen Fehlentwicklungen gilt es entschieden entgegenzutreten! Wehret den Anfängen!“ Neben dem klaren „Nein!“ in der Sache gelte es, die Menschen wieder zurückzugewinnen. Redeverbote, Ausgrenzungen und Unvereinbarkeitsbeschlüsse seien dabei der falsche Weg. Vielmehr müsse man besorgte Menschen ernstnehmen und sich ihnen in der aktiven Debatte entgegenstellen.

Hein: Theologische Kompetenz hat Bedeutung für Pfarrerschaft und Gemeinde
In seinem letzten Bericht vor der Landessynode betonte Bischof Hein, wie wichtig eine akademische, an der Universität betriebene Theologie sei. Die Theologie habe die Aufgabe, den Glauben denkend zu erfassen. In der Geschichte der Kirche habe sie oftmals Impulse für die Bewahrung, Entwicklung und Erkennbarkeit der Kirche gegeben und sei somit eine treibende Kraft für Neuaufbruch und Veränderung gewesen. Gerade den Kirchen der Reformation sei es ein Anliegen gewesen, ihre Geistlichen umfassend akademisch auszubilden. Heute spreche man von „Theologischer Kompetenz“, als der Fähigkeit, das Evangelium verständlich und zeitgemäß auszulegen und in das öffentliche Gespräch einzubringen. Diese „Theologische Kompetenz“ sei aber nicht auf das Pfarramt beschränkt, wie der Bischof erläuterte. Vielmehr gebe es auch eine „Theologische Kompetenz der Gemeinde“, die sich darum bemühe, das Verständnis des Wortes Gottes immer weiter zu vertiefen und daraus gemeinsam die Kirche zu gestalten.

Hein: Es lohnt sich, in theologische Arbeit zu investieren
Somit gebe es viele gute Gründe, als Landeskirche in die theologische Arbeit zu investieren: Das Engagement reiche vom Studium bis zur berufsbegleitenden Fortbildung und eigenen Orten theologischen Denkens. Heins Ansicht nach profitierten von einer kompetenten Theologie nicht nur die Kirchen, sondern auch der Staat und die Gesellschaft. Das akademische Studium an einer staatlich lizensierten Universität sei daher unverzichtbar, auch wenn über die Art und Weise, wie heute Theologie studiert werde, nachgedacht werden müsse. Hein zeigte sich davon überzeugt, dass die Theologie in einer Zeit wachsender Verunsicherung zur Vergewisserung beitrage „in der Öffentlichkeit einer Gesellschaft, die sich sehr rasch verändert, und in der Öffentlichkeit einer Kirche, die sich ebenfalls im Wandel befindet.“ Darum schloss der Bischof in Abwandlung eines Zitats von Willy Brandt mit dem Appell: „Mehr Theologie wagen!“

 

 

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