Sprengel Hanau - Unterschiede bestehen, sind aber kaum noch bewusst

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Mottolied

Die Gespräche zur Vorbereitung der Feierlichkeiten waren so kreativ, dass dabei auch ein Lied entstanden ist, das am 16. September auf dem Marktplatz gesungen wird, aber gerne auch schon vorher gesungen werden darf. Hier finden Sie das Material dazu:

Lied anhören (Produktion: Jochen Engel)

Liedblatt öffnen

 

 

Tageslosung

Jauchzet, ihr Himmel; freue dich, Erde! Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen! Denn der HERR hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden.
Christus Jesus wurde für uns zur Weisheit durch Gott und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung.
Nachbericht
Unterschiede bestehen, sind aber kaum noch bewusst
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Text und Bilder: Jens Heller
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Hanau. Pfarrer Dr. Michael Lapp MA setzte die Reihe der Vorträge zur Hanauer Union am Dienstag in der neuen alten Johanneskirche fort. Sein Thema waren die Unterschiede zwischen Lutheranern und Reformierten unter dem Titel: „ Was ist lutherisch? Was ist reformiert?“ Dabei erfuhren die Zuhörer im gut gefüllten Saal auch so manche Anekdote aus einer Zeit, in der die konfessionellen Unterschiede noch alltagsrelevant waren. So wurde in einem Kirchenbuch aus dem 16. Jahrhundert festgehalten, dass nach der Umstellung von der (lutherischen) Oblate zum (reformierten) Brot die Menschen dem Abendmahl zunächst fernblieben.

Brennpunkt Abendmahl
Einig seien sich Lutheraner und Reformierte zwar in den vier reformatorischen „Solis“ gewesen (allein Jesus, allein die Schrift, allein aus Gnade und allein durch den Glauben), aber die Unterschiede seien doch markant gewesen, besonders im Abendmahlsverständnis. Während Luther lehrte, dass Gott leibhaftig anwesend sei in Brot und Wein (Konsubstantiation), ging es den Reformierten um die Erinnerung an Jesus. Brot und Wein seien als Symbole zu verstehen. Folglich nutzen lutherische Gemeinden eine ungebrochene Oblate und sehen darin den Leib Christi, während reformierte Gemeinden Brot verwenden und dieses auch brechen.

Kirchen ohne Bilder
Calvin und Zwingli waren auch der Ansicht, dass Luther das biblische Bilderverbot nicht umsetze und damit die in ihren Augen fehlgeleitete Tradition der katholischen Kirche, Bildnisse darzustellen, fortsetze. Wechselte eine Gemeinde zur reformierten Konfession, wurden die Bilder z.T. brachial aus den Kirchen entfernt. Alle Aufmerksamkeit solle dem Wort gelten. Auch Taufsteine wurden aus der Kirche entfernt und z.B. als Blumenkübel verwendet. Zur Taufe nahm man eine einfache Schale.Der Altar war nicht mehr das Heiligtum einer Kirche, sondern diente einfach als Tisch, an dem man das Mahl feiert.

Die Lehre von der Vorherbestimmung hat Folgen bis heute
Eine interessante und bis in die Gegenwart bedeutsame Entwicklung nahm die in den Konfessionen unterschiedlich gefasste Lehre von der Prädestination, also der Vorherbestimmung. Einig waren sich Lutheraner und Reformierte, dass der Mensch seine Rechtfertigung vor Gott nicht aus eigener Kraft herstellen kann. Allein die Gnade Gottes macht den Menschen gerecht. Aber während Luther sich in Bezug auf die Vorherbestimmung eher zurückhaltend äußerte, lehrte Calvin eine doppelte Vorherbestimmung: Gott legt von vornherein fest, wer erwählt und wer verdammt wird. Luther setzte den Akzent darauf, dass der Mensch seiner Berufung zu folgen habe und seine Aufgabe zu erfüllen habe, ob er nun Handwerker oder Politiker sei. In der reformierten Tradition lagen politisches und geistliches Engagement dagegen enger zusammen: es entstand die Auffassung, dass der eigene wirtschaftliche Erfolg ein Ausdruck des Segens Gottes sei und dass man daran die Auserwählung erkennen könne. Der Soziologe Max Weber habe einen Zusammenhang von calvinistisch geprägten Staaten und dem Aufstieg des Kapitalismus entdeckt, der bis heute bestehe. Der amerikanische Präsident Donald Trump etwa entstamme dieser Tradition wie auch sehr viele seiner Vorgänger.

Predigt kann länger dauern
Auch der Gottesdienst war in seiner Form durchaus verschieden: während ein lutherischer Gottesdienst stark an der katholischen Messe angelehnt ist und auch viele liturgische Gesänge beinhaltet, wird der reformierte Gottesdienst Wortzentriert gefeiert. Die Predigt soll lutherisch nicht länger als 20 Minuten dauern, reformiert sind für Predigt und Gebet durchaus 45 Minuten einzuplanen. Sog. Predigtuhren, also Sanduhren an der Kanzel, zeigten dem Hörer an, wie weit der Pfarrer in seiner Predigt ist.

Unterschiede heute kaum bewusst
Im Nachgespräch waren sich die Zuhörer dann schnell einig, dass man heute, zumal im unierten Hanau, von diesen Unterschieden tatsächlich kaum noch etwas wisse. Daran kann man wohl erkennen, dass die Hanauer Union erfolgreich war.