Sprengel Hanau - Toleranz, Gelassenheit und Parität als Kompass

Veranstaltungskalender Sprengel

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Mottolied

Die Gespräche zur Vorbereitung der Feierlichkeiten waren so kreativ, dass dabei auch ein Lied entstanden ist, das am 16. September auf dem Marktplatz gesungen wird, aber gerne auch schon vorher gesungen werden darf. Hier finden Sie das Material dazu:

Lied anhören (Produktion: Jochen Engel)

Liedblatt öffnen

 

 

Tageslosung

Der HERR ist seines Volkes Stärke.
Gott sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!
Nachbericht:
Toleranz, Gelassenheit und Parität als Kompass
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Bild und Text: Ulrike Pongratz
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Hanau. Mit dem Vortrag von Volker Beck zum Verhältnis von Staat und Kirche im Rahmen der Veranstaltungsreihe „200 Jahre Hanauer Union“ hat die evangelische Kirche Mut zur kritischen Auseinandersetzung bewiesen. Die Alte Johanneskirche hat einmal mehr bestätigt, dass sie sich als gut besuchter Ort der offenen Diskussion etabliert hat.

Das kooperative Verhältnis von Staat und Kirche ist einzigartig
Volker Beck, vielen in Erinnerung als Mitglied des Bundestages für Bündnis 90/ die Grünen, kam am Dienstagabend als Lehrbeauftragter am Centrum für Religionswissenschaftliche Studien (CERES), einer zentralen wissenschaftlichen Einrichtung an der Ruhr-Universität Bochum, nach Hanau. In einem kurzen historischen Überblick verdeutlicht er, dass Bikonfessionalität und Religionsfreiheit bis heute in gesellschaftlich prägende Elemente seien. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts bringe die neue Staatsordnung auch ein neues kooperatives Verhältnis von Kirche und Staat hervor, das einzigartig und aus der Weimarer Verfassung in das Grundgesetz übertragen worden sei. Grundsätzlich sind Staat und Kirche getrennt, sie erkennen aber gemeinsame Angelegenheiten wie öffentliche Schulen, Kirchensteuer und Seelsorge an; etwa übernehmen Caritas und Diakonie gesamtgesellschaftliche Aufgaben.

Die Grundsätze der Verfassung gelten für alle Religionsgemeinschaften
Grundsätzlich beruht das deutsche Religionsverfassungsgesetz auf den Prinzipien der Neutralität, Toleranz und Parität. Und diese gilt es nach Beck auch weiterhin im Blick zu behalten, auch wenn die dominierende Stellung der christlichen Kirchen sich abgeschwächt habr, die Säkularisierung und Pluralisierung der Glaubensrichtungen erforderten Toleranz, Gelassenheit und genaues Hinsehen. Volker Beck hält nichts von unsinnigen Debatten, die sich um die Frage „wer sind wir, wer sind die anderen?“ drehen, wie etwa „Gehört der Islam zu Deutschland?“.

Säkulariserung, Loyalitätspflichten der Arbeitnehmer und Pluralisierung sind in den Blick zu nehmen
An drei Punkten macht Volker Beck in seinem frei gehaltenen Vortrag deutlich, dass er für das Überdenken von Positionen für richtig und angemessen hielte . Kirche sollte die Säkularisierung wahrnehmen und „Dinge in Frage stellen können“, wie zum Beispiel ein generelles Tanzverbot an „stillen Tagen“. Im Arbeitsrecht gehörten nach Beck beispielsweise die kirchlichen Loyalitätspflichten, die vor allem die katholische Kirche einfordere, auf dem Prüfstand. Schließlich empfiehlt der Redner auch fremde, ungewohnte religiöse Traditionen zu respektieren. „Das müssen wir aushalten können“, meint Beck. Nicht Traditionen und Brauchtum, sondern die verfassungsrechtlichen Grundlagen seien eine gute Richtschnur für ein gutes gesellschaftliches Miteinander. Diese würden aber dann für Christen, Muslime, Juden, Aleviten und viele mehr gleichermaßen gelten. Sehr kritisch sieht Volker Beck hingegen die Anerkennung der DITIB als Religionsgemeinschaft, da hier die Imame Verträge mit der Diyanet, also dem türkischen Staat hätten. Eine Trennung von Politik und Religion sei hier nicht zu erkennen. So hat das OVG Münster dem Zentralrat der Muslime und dem Islamrat die Eigenschaf einer Religionsgemeinschaft abgesprochen.
Die Verfassung ist eine gute Richtschnur für gesellschaftliche Aushandlungsprozesse.
Das freiheitliche Religionsverfassungsrecht ist ein guter Kompass, so Beck, Religionsfreiheit für alteingesessene und neue Glaubensgemeinschaften zu gewähren. Das kooperative Recht erfordere immer wieder aufs Neue gesellschaftliche Aushandlungsprozesse. Hierzu sollten Staat und Kirchen deutlich Position beziehen.

Der Vortrag von Volker Beck ist enthalten in der Festschrift „200 Hanauer Union, zusammen in Vielfalt glauben, für 38,00 Euro im Buchhandel zu beziehen.

Referent:
Volker Beck (Berlin),
Lehrbeauftragter am Centrum für religi-
onswissenschaftliche Studien (CERES) der
Ruhruniversität Bochum