Tageslosung

Gefällt es euch nicht, dem HERRN zu dienen, so wählt euch heute, wem ihr dienen wollt. Ich aber und mein Haus wollen dem HERRN dienen.
Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse.
Bekennende Kirche und "Deutsche Christen"
Hessen im 3. Reich

Diese Bestimmung erleichterte es den "Deutschen Christen", kirchenpolitisch tätig zu werden. Die Bewegung der "DC" wollte ja evangelisches Christentum mit dem Deutschtum verschmelzen; von den Nationalsozialisten erwartete sie Hilfestellung bei ihren Versuchen, in der Kirche wieder stärker volksmissionarisch tätig zu sein, um dadurch ...

Diese Bestimmung erleichterte es den "Deutschen Christen", kirchenpolitisch tätig zu werden. Die Bewegung der "DC" wollte ja evangelisches Christentum mit dem Deutschtum verschmelzen; von den Nationalsozialisten erwartete sie Hilfestellung bei ihren Versuchen, in der Kirche wieder stärker volksmissionarisch tätig zu sein, um dadurch modernistische Zersetzungserscheinungen zu überwinden.

Die "Deutschen Christen" beriefen sich auf die Aussagen über das "Positive Christentum" im Parteiprogramm der NSDAP; in ihm sahen sie die Öffentlichkeitsbedeutung der Kirche im Hitlerregime garantiert. Durch die Evangelische Reichskirche mit einem Reichsbischof, dem früheren Wehrkreispfarrer Ludwig Müller, an der Spitze und durch die Gleichschaltung der Kirche mit dem NS-Staat wollte man seinen kirchenpolitischen Einfluss vergrößern. Für dieses Ziel opferte man viel vom Zentrum christlicher Verkündigung. Hiergegen formierte sich die "Bekennende Kirche". Bei der Barmer Bekenntnissynode (1934) protestierte sie mit ihrer "Theologischen Erklärung" (abgedruckt EG Nr. 810), die vor allem der Theologieprofessor Karl Barth vorformuliert hatte, unüberhörbar gegen die theologischen Irrtümer der Deutschen Christen. Der Kirchenkampf begann.

In Hessen gelangten bei der Kirchenwahl am 23. Juli 1933 viele "Deutsche Christen" ganz legal in die Kirchenvorstände, so dass sie ihren Einfluss ausüben konnten. Als die Gleichschaltung der Kirche durch den Staat nicht mehr aufzuhalten war, traten unter dem Druck des Pfarrernotbunds (der späteren Bekennenden Kirche) die drei Landespfarrer D. Otto Dettmering (1867 - 1949), D. Karl Fuchs (1867 - 1940) und D. Heinrich Möller (1864 - 1939) zurück. Der Landeskirchentag bildete eine "Einstweilige Kirchenleitung", die sich der Eingliederung in die Reichskirche widersetzte, bis sie am 7. Juli 1934 mit Polizeigewalt aus ihrem Dienstgebäude im Kasseler Renthof vertrieben wurde. Die Mehrheit der hessischen Gemeinden und Pfarrer stand jedoch hinter dieser einstweiligen Kirchenleitung.

Nachdem ein Gerichtsurteil die Legitimität dieses Ausschusses bestätigt hatte, wurde 1935 ein neuer Landeskirchenausschuss gebildet, der bis zum Kriegsende - also länger als in allen deutschen Kirchen - unter sachlicher Mitarbeit der Deutschen Christen und kritischer Begleitung durch die Bekennende Kirche mit ihrem Vorsitzenden, Marburger Theologieprofessor D. Hans Freiherr von Soden (1881 - 1945), tätig bleiben konnte. In diese Zeit des Kirchenkampfes fällt übrigens auch der Zusammenschluss der um den Kirchenkreis Pyrmont verkleinerten Waldeck' schen Landeskirche mit der Landeskirche in Hessen-Cassel. Die Waldecker waren mit diesem Plan nicht einverstanden. Sie wollten sich mit der Kirche von Westfalen vereinigen, deren Gesangbuch sie bereits benutzten, aber auch die Bekennende Kirche in Hessen hatte Bedenken. Die NSDAP setzte jedoch die Fusion durch, weil Waldeck bereits politisch zum Parteigau "Kurhessen- Waldeck" gehörte und sich die kirchlichen und politischen Grenzen decken sollten. So erhielt die neue Kirche, die den Kirchenkreis Grafschaft Schaumburg (Rinteln) an Hannover abgeben musste, den Namen "Evangelische Landeskirche von Kurhessen- Waldeck".