Sprengel Hanau - Die Überwindung der Gegensätze zwischen dem lutherischen Hessen-Darmstadt und dem reformierten Hessen-Cassel

Tageslosung

Was verborgen ist, ist des HERRN, unseres Gottes; was aber offenbart ist, das gilt uns und unsern Kindern ewiglich.
Die Samaritaner sprachen zu der Frau: Nun glauben wir nicht mehr um deiner Rede willen; denn wir haben selber gehört und erkannt: Dieser ist wahrlich der Welt Heiland.
Beginn der Neuzeit
Die Überwindung der Gegensätze zwischen dem lutherischen Hessen-Darmstadt und dem reformierten Hessen-Cassel

Im Dreißigjährigen Krieg führte der Gegensatz zwischen dem lutherischen Hessen-Darmstadt und dem reformierten Hessen-Cassel zu existenzbedrohenden ständigen kriegerischen Auseinandersetzungen:

Darmstadt unterstützte den katholischen Kaiser, Kassel die kaiserlichen Gegner. Der direkt ausgefochtene Bruderkrieg brachte über Hessen noch größeres Elend als über andere deutsche Staaten, so dass es über hundert Jahre dauerte, bevor die Kriegsschäden wieder ausgeglichen waren. 1627 dankte Moritz zugunsten seines ältesten Sohnes Wilhelm V. ab: Er war mit seiner Politik total gescheitert. Aber erst 21 Jahre später fand das furchtbare Morden und Brennen ein Ende: Im Frühjahr 1648 wurde in Kassel der Einigkeitsvertrag abgeschlossen, der den Erbstreit der beiden Hessen beendete und die Trennung besiegelte; im westfälischen Frieden des gleichen Jahres erhielt Hessen-Cassel die Abtei Hersfeld, einen Teil der Grafschaft Schaumburg (mit Rinteln) sowie die Zusicherung, dass das reformierte Bekenntnis als gleichberechtigt anerkannt werde. Wilhelm VI. (der Gerechte 1650 - 1663) versuchte, die inneren und äußeren Kriegsschäden zu heilen. Hierzu gehörten auch seine Bemühungen um den Pfarrerstand und um eine Annäherung zwischen Luthertum und Calvinismus. Im Kasseler Religionsgespräch (1661) konnte eine Einigung zwischen den reformierten Professoren der Universität Marburg und den lutherischen Professoren der Universität Rinteln erreicht werden. Im Abschlussbericht wird brüderliche Einigkeit und gegenseitige Duldung festgestellt sowie die jeweilige Gegenpartei anerkannt als "wahre Gliedmaße der Kirche und Mitgenossen des wahren seligmachenden Glaubens".

 

Der Unionsgedanke als Grundhaltung der kurhessischen Landeskirche
Diese Einigung wurde zwar von anderen lutherischen theologischen Fakultäten nicht anerkannt, begründete aber die vermittelnde Grundhaltung der kurhessischen Landeskirche. Sie ist ja bis heute vom Unionsdenken geprägt und hat den Gegensatz zwischen reformiertem und lutherischem Bekenntnis überwunden gemäß der Präambel unserer Grundordnung: Die Evangelische Kirche von Kurhessen- Waldeck " ist vor allem durch das Augsburgische Bekenntnis und die von ihm aufgenommenen altkirchlichen Symbole geprägt und in der Vielfalt der überlieferten Bekenntnisse der Reformation zu einer Kirche zusammengewachsen".