Sprengel Hanau - Napoleons Spuren reichen bis nach Hanau

Mottolied

Die Gespräche zur Vorbereitung der Feierlichkeiten waren so kreativ, dass dabei auch ein Lied entstanden ist, das am 16. September auf dem Marktplatz gesungen wird, aber gerne auch schon vorher gesungen werden darf. Hier finden Sie das Material dazu:

Lied anhören (Produktion: Jochen Engel)

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Tageslosung

Der HERR verstößt sein Volk nicht um seines großen Namens willen.
Ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: Obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, auf dass ihr durch seine Armut reich würdet.
Nachbericht
Napoleons Spuren reichen bis nach Hanau
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Bilder: Eberhard Henschel
Text: Ines Fetzer
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Hanau. Die napoleonische Zeit sorgte nicht nur auf der großen Politbühne Europas für tiefgreifende Veränderungen. Auch in Hanau waren die Folgen der napoleonischen Zeit bis in kleinste Details spürbar. Diese hat nun Dr. Eckhard Meise in seinem Vortrag aus der Reihe zur Hanauer Union im Blick auf die „Sechs Konfessionen in hanau in der napoleonischen Zeit“ nachgezeichnet. Dabei gab er Einblicke nicht nur in die konfessionelle, sondern auch in die kulturelle, ökonomische und politische Landschaft Hanaus aus der Zeit des 17. bis Anfang des 19. Jahrhunderts.

Zwei „Hanaus“ – Die Altstadt und die Neustadt
Hanau war immer eine traditionsreiche und traditionsbewusste Stadt. Eigentlich hätte es eine Union hier besonders schwer haben müssen, denn die konfessionellen Verwicklungen haben hier tiefe Wurzeln: Im Übergang zum 17ten Jahrhundert flohen viele reformierte Niederlander vor dem spanischen Katholizismus in ihrer Heimat hierher: Sie brachten ökonomischen Aufschwung mit. Dass sie im lutherischen Frankfurt nicht Fuß fassen konnten, war für Hanau ein Glücksfall. Wirtschaftswachstum benötigt ein solides Bankwesen, damals noch weitgehend Sache der Juden. Dr. Meise zeigt, wie ökonomische, kulturelle und Fragen der Stadtentwicklung ineinander liegen: So finden sich um 1600 in Hanau Juden, Reformierte und Lutheraner – und zwar in drei selbständigen Verwaltungseinheiten: Altstadt, Neustadt, Judenschaft.

Die Hohe Landesschule – fast sechzig Jahre bis zur Fertigstellung
Dass durch landgräfliche Erbschaften musste in Hanau-Münzenberg das Nebeneinander von reformierter und lutherischer Tradition gestaltet, besser: ausgehalten werden. In Zeiten des dreißigjährigen Krieges gelang es einem interkonfessionellen Landgrafenpaar (so was nennt man politische Ehe: Sibylle Christine von Anhalt-Dessau und Friedrich Casimir) ermutigende Zeichen zu setzen: Hierzu gehört die Fertigstellung der Hohen Landesschule, die 1607 schon gegründet wurde, aber erst fast sechzig Jahre richtig in Schwung kam.

Zwischen Altstadt und Neustadt – wie immer geht es ums Geld
Eifersüchteleien zwischen Reformierten und Lutheranern – sie bestimmten über die Jahrhunderte das spitzfindige Mit- und Gegeneinander: Wer baut wo? Wer hat den höheren Turm? Wer spendet am meisten für caritative Zwecke? Wer wurde bei der Besetzung welcher Stelle übergangen? Schließlich hatten Alt- und Neustadt Hanau jede ihre eigene Ratsverfassung. Konfessionelles und Politisches sorgte dafür, dass auch mal über fünfzehn Jahre die Althanauer Ratsstellen nicht komplett besetzt werden konnten.

Zwei Kirchen in einem Ort
Die beiden letzten Lichtenberger Grafen waren bemüht, das lutherische Erbe zu stärken. Ihre Bautätigkeit war enorm: Zwei Kirchen, die alte reformierte und eine barocke lutherische („Reinhardskirche“), wurde fast zu einem Charakteristikum der Dörfer des Hanauer Landes. In Hanau selbst gab es vor der französischen Revolution sechs Konfessionen, die das Bild der „beiden Hanaus“ prägten:
Reformierte (überwiegend in der Altstadt; Kirche: Marienkirche), Lutheraner (überwiegend Altstadt; Kirche: Johanneskirche), Wallonen (Neustadt; Kirche: größerer Teil der Doppelkirche), Niederländer (Neustadt; kleinerer Teil der Doppelkirche), Juden (überwiegend Judengasse; Hospital und Synagoge), Katholiken (überwiegend Altstadt; Nutzung der Hospitalkirche)

Die Lage vor der Hanauer Union ...
Die Französische Revolution und ihre Folgen veränderten auch in Deutschland die Dinge grundlegend. Die Bestimmungen des Reichdeputationshauptschlusses (25. Februar 1803) veränderten die politische Lage. In der Konsequenz hatte das für die konfessionelle Landschaft weitreichende Folgen: Die Konsistorien wurden neu geordnet: es gab noch eine reformierte Gemeinde (einschließlich der Wallonen und Niederländer), die Lutheraner, Juden und Katholiken.
Die Schulaufsicht, die seit der Reformation Sache der Kirche war, ging den Konsistorien verloren: Schule war nun Sache des Staates. Eine von oben erzwungene Reform, bei der die Geistlichkeit zum ersten Mal die Erfahrung machte, dass der Staat die kirchliche Organisation nach seinen eigenen Vorstellungen und Interessen gestaltete.
Die Schlacht bei Hanau am 30./31. Oktober beendete die Herrschaft Napoleons in Deutschland, brachte mit dem Ende des Rheinbunds auch das Ende des Großherzogtums Frankfurt und damit auch das Ende der neuen Konsistorialordnung. Eine Situation, die – mit dem neu entfachten nationalstaatlichen Einheitsgedanken – der Nährboden für die Hanauer Union werden sollte.