Sprengel Hanau - Union brauchte Zeit: Fokus Windecken

Mottolied

Die Gespräche zur Vorbereitung der Feierlichkeiten waren so kreativ, dass dabei auch ein Lied entstanden ist, das am 16. September auf dem Marktplatz gesungen wird, aber gerne auch schon vorher gesungen werden darf. Hier finden Sie das Material dazu:

Lied anhören (Produktion: Jochen Engel)

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Tageslosung

Was verborgen ist, ist des HERRN, unseres Gottes; was aber offenbart ist, das gilt uns und unsern Kindern ewiglich.
Die Samaritaner sprachen zu der Frau: Nun glauben wir nicht mehr um deiner Rede willen; denn wir haben selber gehört und erkannt: Dieser ist wahrlich der Welt Heiland.
Nachbericht
Union brauchte Zeit: Fokus Windecken
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Bilder: Eberhard Henschel
Text: Ines Fetzer
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Hanau. Über die Synode zur Hanauer Union vom 27. Mai bis zum 1. Juni 1818 und deren Folgen am Beispiel Windecken berichtete Erhard Bus.
Erhard Bus hat sich schon durch die inhaltliche Gestaltung der Ausstellung zur Hanauer Union sowie durch eine Reihe lokaler Vorträge bei Kirchengemeinden rund um Hanau als Kenner der historischen Zusammenhänge der Hanauer Union erwiesen. Nun erläuterte er in der Alten Johanneskirche die Hanauer Union und ihre Folgen in einem lebhaften Vortrag, der durch zahlreiche Bilder und Grafiken visualisiert wurde.

Annäherungen
Die Hanauer Union kam nicht „ohne Weiteres“ – Annäherungen zwischen Reformierten und Lutheranern gab es schon im 18. Jahrhundert: Man stellte sich sogar bei bestimmten Anlässen mit Billigung der kirchlichen Oberbehörde gegenseitig die Gotteshäuser zur Verfügung. Zudem gab es schon seit Langem eine ganze Reihe gemischt-konfessioneller Familien, wovon die Einträge in den Kirchenbüchern aller vier protestantischen Gemeinden in Hanau (Lutherische, Hochdeutsch-reformierte, Niederländische und Wallonische) beredt Zeugnis ablegen.

Vorarbeiten zur Synode
Die Hanauer Union ist gut vorbereitet worden, hatte einige Monate Vorlauf und reicht damit noch ins Jubiläumsjahr der Reformation 1817 zurück: Bei einem ersten Treffen der beiden Konsistorien, das auf Anregung der reformierten Kirchenleitung am 8. Oktober stattfand, vereinbarte man, die landesherrliche Genehmigung zur Einberufung einer Synode zu beantragen. Ebenfalls erkannten beide Parteien an, dass die angestrebte Kirchenunion der beiden evangelischen Konfessionen sowohl „wünschenswerth“ als auch die „gegenwärtige Zeit“ dafür geeignet sei.
Deshalb solle nach landesherrlicher Genehmigung eine Synode einberufen werden, wo über die „Propositionspunkte“ beraten werden soll. Zudem verfasste man am 31. Dezember ein Schreiben an sämtliche Pfarrer und Presbyterien (Kirchenvorstände), worin das Ziel der Union zum Ausdruck kam. Und am 25. März legten die Vertreter der beiden protestantischen Kirchenleitungen nach kurfürstlicher Zustimmung den Beginn der Synode auf den 27. Mai 1818 fest.

Die Provinzialsynode vom 27. Mai bis 1. Juni 1818
Am 27. Mai 1818 versammelten sich 76 Pfarrer, 55 reformierte und 21 lutherische zur Hanauer Synode. Sie repräsentierten 221 Kirchengemeinden mit ungefähr 100.000 Gemeindegliedern, darunter auch die Nachkommen der Glaubensflüchtlinge in der Hanauer Neustadt.
Die Verhandlungen über die neun vorbereiteten Artikel verliefen weitgehend harmonisch. Eine gewisse Aufregung kam bei Artikel 5 auf, dem entscheidenden Punkt für das Gelingen der Zusammenkunft, als man über die Art und Form des Brots beim Abendmahl diskutierte. Die Debatte, bei der eine „lebhafte Regung und eine hohe Spannung“ aufkam, verlief aber stets in einer die „christlicher Liebe jedoch sorgfältig, schonende Discussion“ ab, wie das Protokoll zu berichten weiß.
Am 4. Juli 1818, genehmigte Kurfürst Wilhelm I., als summus episcopus (oberster Landesbischof) mittels einer landesherrlichen Verordnung die Synodalbeschlüsse, die in die Sammlung von Gesetzen ec. für die kurhessischen Staaten (Jahr 1818. – Nr. XIII. – Juli) aufgenommen wurden.


Folgen: Beispiel Windecken
Die Unionsvereinbarung sah vor, dass niemand unter Zwang seine konfessionelle Tradition und die gewohnten Rituale ablegen solle. Kein Wunder also, dass es bisweilen über Jahrzehnte dauerte, bis sich Gemeinde, Pfarrer und Konsistorien an die neue Situation der Union gewöhnten. Besondere Blüten trieb dieser sich noch Jahrzehnte hinauszögernde Unionsprozess in Windecken, wie der Nidderauer Bus eindrücklich zu schildern weiß: So ist etwa von einer Befragung zu berichten, die der lutherische Pfarrer Grauel gegen die Schließung der Reinhardskirche durchführte. Trotzdem: die Reinhardskirche Windecken wurde 1833 verkauft und abgerissen. Bis dahin blieb die Hanauer Union in Windecken also „unvollendet“.
Dem Vortrag folgte eine lebhafte Diskussion über die Motivationen zum Zusammenschluss, über lutherische, reformierte und katholische Tendenzen im 19. Jahrhundert und Fragen zur Hanauer Lokalgeschichte.